Wenn ich einmal groß bin …
Ein Blick darauf, wie Grenzen entstehen, warum wir sie lange für unsere eigenen halten – und wie befreiend der Moment sein kann, in dem wir erkennen, dass wir unser Leben selbst gestalten dürfen.
Als Kinder sagen wir diesen Satz mit einer Selbstverständlichkeit, die fast grenzenlos wirkt:
„Wenn ich einmal groß bin …“
Dann stellen wir uns vor, dass irgendwann der Moment kommt, in dem wir einfach entscheiden können.
Mein Leben.
Meine Regeln.
Mein Weg.
Doch auf dem Weg dorthin lernen wir zuerst etwas anderes.
Wir wachsen in Familien auf, in denen uns unsere Eltern zeigen, wie die Welt funktioniert. Sie wollen uns schützen, vorbereiten, lenken. Manches sagen sie ganz direkt:
„Das kannst du nicht.“
„Sei vorsichtig.“
„Das ist nichts für dich.“
Später kommen andere Stimmen dazu. Lehrer, die entscheiden, wofür wir Talent haben – und wofür nicht. Noten, die uns einordnen. Kategorien, die scheinbar festlegen, was möglich ist und was eher nicht.
Und manchmal sind es auch Freundinnen oder Menschen in unserem Umfeld, die es gut meinen und doch Grenzen ziehen:
„Das passt doch gar nicht zu dir.“
„Warum willst du das machen?“
Als Kinder und Jugendliche übernehmen wir vieles davon, ohne es zu hinterfragen. Nicht, weil wir schwach sind – sondern weil wir dazugehören wollen. Weil wir vertrauen. Weil wir glauben, dass die Erwachsenen wissen, wie das Leben funktioniert.
So entstehen Grenzen.
Manche sind sinnvoll. Manche schützen uns. Doch andere setzen sich leise in uns fest und bleiben dort – lange nachdem wir eigentlich längst groß geworden sind.
Und irgendwann stehen wir mitten im Leben.
Vielleicht in einem Beruf, der sich nicht ganz nach uns anfühlt. Vielleicht mit Entscheidungen, die wir getroffen haben, weil sie „vernünftig“ waren. Vielleicht auch mit diesem leisen Gefühl, dass etwas fehlt – ohne genau sagen zu können, was.
Manchmal taucht dann ein Gedanke auf.
Ganz still, aber sehr ehrlich: War das schon alles? Oder eine andere Frage, die noch tiefer geht: Wann beginnt eigentlich die Zeit, auf die ich als Kind so gehofft habe?
Die Zeit, die sich nach meinem Leben anfühlt.
Die Zeit, die sich nach meinen Regeln anfühlt.
Die Zeit, die sich nach meinem Weg anfühlt.
Vielleicht beginnt diese Zeit genau jetzt.
Der Moment, in dem wir anfangen, unsere Grenzen zu hinterfragen.
Woher kommen meine Grenzen, sind es wirklich meine oder wurden diese Grenzen von anderen für mich gesteckt?
Manche Antworten können überraschend sein. Denn vieles, was wir lange für unsere Realität gehalten haben, entpuppt sich plötzlich als etwas anderes: alte Stimmen, alte Bewertungen, alte Vorstellungen darüber, wer wir sein sollten.
Und wenn wir das erkennen, geschieht etwas Besonderes.
Die Grenzen, in denen wir uns so lange bewegt haben, beginnen sich zu verschieben.
Wir merken, dass wir diese nicht akzeptieren müssen.
Wir können sie verändern, wir können sie erweitern und wir können die ein oder andere Grenze gänzlich hinter uns lassen.
Vielleicht bedeutet „groß sein“ genau das.
Zu verstehen, dass unsere Geschichte uns geprägt hat – aber nicht bestimmen muss, wie unser Leben weitergeht.
ME·PER·SE-Resümee:
Wenn wir Muster hinterfragen entsteht Freiheit, Freiheit für unsere eigenen Gedanken!
ME·PER·SE-Faktenbox:
Veränderung ist möglich Forschung aus der Psychologie zeigt, dass Menschen durch Selbstreflexion, neue Erfahrungen und bewusste Entscheidungen alte Muster erkennen und verändern können. Das ermöglicht, eigene Werte und Lebenswege bewusst zu gestalten.
Mein persönlicher Gedanke zum Schluss
Wir Mütter sollten unsere Superkraft nutzen: nicht alles perfekt machen zu müssen. Sondern unseren Kindern Vertrauen zu schenken. Ihnen Mut zu machen. Sie Fehler machen zu lassen. Und ihnen den Raum zu geben, ihre eigenen Grenzen zu entdecken und zu setzen. Damit sie vielleicht mit weniger gesetzten Grenzen aufwachsen – und mit mehr Vertrauen in sich selbst.
Und wenn uns das gelingt, dann haben wir ihnen wahrscheinlich eines der größten Geschenke überhaupt mitgegeben: den Mut, sie selbst zu sein.
Habt’s fein!
Eure Kerstin